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Universität Konstanz Fachbereich Informatik & Informationswissenschaft

Pressemitteilung vom 13.04.2005

„Power Wall“: Universität Konstanz hat europaweit die erste

An der Universität Konstanz gehen die Handwerker ein und aus. Ein Raum wird komplett schwarz gestrichen. Die Fenster müssen aus und eine Klimaanlage eingebaut werden. Ein Sondertransporter mit einer riesigen Glaswand mit den Abmessungen 5,20 m x 2,15 m macht sich auf den beschwerlichen Weg von Brüssel an den Bodensee. Davor liegen Monate angefüllt mit Planungen und Berechnungen. Das Staatliche Vermögens- und Hochbauamt hat dafür gesorgt, dass alle Umbaumaßnahmen an der Universität zügig vonstatten gehen konnten.

Grund für das aufwendige Manöver ist die „Power Wall“ - entwickelt von dem belgischen Elektrotechnologieunternehmen BARCO S.A.: Eine Großflächenprojektion mit acht Beamern und extrem hoher Pixelauflösung, die bisher niemand sonst als die Universität Konstanz in ganz Europa ihr eigen nennen kann - ein neuer und sehr ungewöhnlicher „Leuchtturm“ im Fachbereich Informatik/Informationswissenschaften, der nicht allein in Wissenschaftskreisen aufmerksam beäugt wird, sondern auch in der Wirtschaft. „Die Power Wall eröffnet vollkommen neue Perspektiven, und das im wahrsten Sinne des Wortes. Für die Datenanalyse werden damit Möglichkeiten eröffnet, von denen man vor Jahren nur träumen konnte“, so Prof. Daniel Keim, der am 11. Mai die Power Wall der Öffentlichkeit vorstellen wird. Zu Gast an der Universität Konstanz werden an diesem Tag auch Ministerialdirigent Dr. Knorr und hochrangige Vertreter der Firma BARCO sein.

Herr Keim, der eine Professur für Information Engineering inne hat, beschäftigt sich mit seinem insgesamt 20-köpfigen Team aus Mitarbeitern und Studenten schwerpunktmäßig mit der Datenvisualisierung: Mittels komplexer Algorithmen und Verfahren wird es möglich, große Datenmengen darzustellen, ihre Entwicklung zu beobachten und in Entscheidungsprozessen zu berücksichtigen. In Naturwissenschaft und Technik, den Sozialwissenschaften und in der Informatik finden solche Verfahren ebenso Anwendung wie in der Medizin und in betriebswirtschaftlichen Anwendungen.

Prof. Gerhart von Graevenitz, der Rektor der Universität Konstanz, sieht die Universität Konstanz in einer besonderen Ausgangssituation. „Wir werden dazu in der Lage sein, Datenvisualisierungen vorzunehmen, die europaweit wirklich einzigartig sind. Der Fachbereich Informatik/Informationswissenschaften schafft mit der Power Wall und der eigenen wissenschaftlichen Forschung im Bereich der Datenvisualisierung zudem ganz wichtige Schnittstellen zu den anderen Fachbereichen der Universität. Wissenschaftler aus der Biologie oder der Physik haben plötzlich ganz andere Sicht- und damit auch Erkenntnismöglichkeiten. Auch die Schnittstelle zur Industrie wird langfristig eine bedeutsame Rolle spielen.“

Auf den ersten Blick sieht die Power Wall wie ein riesiger Computerbildschirm oder Fernseher aus, sie kann aber weit mehr. Während sich der normale Computernutzer in der Regel mit einer Bildschirmauflösung von 1280 x 1024 Pixel und 17 Zoll Bildschirmdiagonale begnügen muss, hat die Power Wall stolze 4640 x 1920 Pixel und 221 Zoll Bildschirmdiagonale. Die Größe und extrem hohe Auflösung sowie das unterbrechungsfreie Bild machen Dinge sichtbar, die man bei geringer Auflösung schlichtweg nicht sehen kann. „Wer nun davon träumt, dass die Universität eine Art Hochleistungskino ihr eigen nennen kann, wird enttäuscht. Herkömmliche Kinofilme kann man auf der Power Wall gar nicht ansehen, da diese nicht in einer so hohen Auflösung verfügbar sind. Das Betrachten von Videos - selbst wenn diese in HDTV Auflösung vorliegen - wäre ungefähr so als würde man einen Handkarren auf einen Highway setzen“, schmunzelt Professor Keim.

Die Einsatzmöglichkeiten der Power Wall seien vielfältig, so der Wissenschaftler auf die Frage nach den praktischen Einsatzmöglichkeiten. Wer eine Datenbank hat, in der Millionen von Daten sind, gleich ob es sich um das Kundenverhalten einer Supermarktkette oder eines Telefonanbieters handelt, der kann sich diese Daten nicht so einfach anschauen. Die Daten werden deshalb in der Regel zusammengefasst und als einfache Balkendiagramme dargestellt. Mit der Power Wall wird das Problem auf erstaunliche Weise gelöst. Aus schlichten Balken und Diagrammen werden ganze „Datenlandkarten“, auf denen man plötzlich pixelgenau erkennen kann, wo die besten und die schlechtesten Kunden sitzen. Eine visuelle Datenanalyse wird möglich, bei der man wie aus einem Flugzeug auf die Datenlandschaft herunterschaut. Ein Anbieter aus dem Bereich der Telekommunikation kann beispielsweise sehr gut erkennen, wo sich die Investitionen lohnen und das Netz ausgebaut oder modernisiert werden sollte.

Die Power Wall ist auch für die Forschung eine große Hilfe. Wissenschaftler können sich Bildmaterial anschauen, und zwar bis zum feinsten Detail - ohne mit dem Curser ständig auf einem kleinen Computerbildschirm herauf und herunter zu wandern. Man hat alles im Blick. „In der Praxis werden demzufolge in der Regel nicht zwanzig Studierende vor der Power Wall sitzen, sondern kleine Forscherteams, die die Power Wall ganz gezielt nutzen, um sich Dinge in einer unglaublich hohen Auflösung anzuschauen“ so Professor Keim zum Verfahren. Auch in der Finanzwirtschaft kann die neue Form der Datenvisualisierung eine große Hilfe sein: „Stellen sie sich vor, ein Fondsmanager will sein Portfolio anpassen und muss dazu eine großen Anzahl von Aktien im Zeitverlauf betrachten, um die besten auszuwählen. Mit Hilfe neuer Wege der Datenvisualisierung können wir detailgetreue Information für viele Aktien visuell darstellen und damit die entscheidungsrelevante Information auf einen Blick sichtbar machen.“

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Foto: Der Fachbereich Informatik und Informationswissenschaft in Second Life

Herausgeber: Universität Konstanz, Fachbereich Informatik und Informationswissenschaft
Zuletzt geändert am 27.05.2009, 03:45

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