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Universität Konstanz Fachbereich Informatik & Informationswissenschaft

Pressemitteilung, Südkurier 22.05.04

Forscher retten Ärzte aus der Datenflut

Nicht fehlende, sondern zu viele Daten behindern den Kampf gegen Terror, Unwetter und Krebs - Uni-Tagung

Nach drei Stunden brach der Chirurg die Operation ab. Erst nach dem Aufschneiden hatte er erkannt, dass der Tumor so nicht zu entfernen war: Immer wieder berichten Ärzte dem Informatik-Professor Bernhard Preim von solchen Fällen. Der an den Universitäten Magdeburg und Bremen tätige Forscher arbeitet daran, den Erfolg einer Operation schon vor dem ersten Schnitt vorhersehen zu können - am Computer-Monitor.

Dabei ist es inzwischen die Flut an Information, die Mediziner zunehmend verzweifeln lässt. Manche Radiologen schauen nur noch jedes dritte Bild an, das ihnen ein Computertomograph von einem Patienten liefert, weil sie sonst die Masse an Bildern nicht mehr bewältigen könnten. Das Risiko: Vielleicht übersehen sie den entscheidenden Hinweis. Preim entwickelt Computerprogramme, die Daten besser auswerten und sichtbar machen. Der Arzt kann die Operation am Computer üben oder sich Bilder dreidimensional anschauen. Nun stellte Preim seine Forschung bei einer internationalen Tagung an der Uni Konstanz vor. Dort traf er 90 Kollegen, die ebenfalls daran forschen, entscheidende Informationen aus dem anschwellenden Datenfluss zu fischen.

Ein Wissenschaftler berichtete, wie er im Auftrag der US-Regierung daran arbeitet, in täglich 250 Millionen Überweisungen einer Bank Hinweise auf Terrorfinanziers herauszufiltern. Der Konstanzer Professor Dietmar Saupe will dem Deutschen Wetterdienst helfen. Die Meteorologen führen eine neue Messtechnik ein, die Milliarden Daten liefert. Menschen können diese Menge nicht überblicken und die herkömmliche Computertechnik würde so lange rechnen, dass ein Unwetter längst vorüber wäre. Sein Konstanzer Kollege Oliver Deussen sagt: "Vor fünf Jahren haben alle noch nach Daten gesucht, heute werden sie überschwemmt."

In der Biologie gibt es Methoden, die täglich neue Informationen im Umfang von 300000 Bibeln liefern. Manchmal sind die Datenmengen so groß, dass man sie nicht mal mehr speichern kann. Und Forscher auf der Suche nach Neuem, wissen oft gar nicht, was sie überhaupt suchen. Deussen und seine Kollegen verwandeln die Daten deshalb in Bilder. Kein Sinnesorgan erfasse und ordne Information schneller, sagt er. Sein Beispiel: Das Auge findet unter einer Million Bildpunkten auf dem Computer-Monitor sofort den defekten.

Beim Darstellen der Daten orientieren sich die Forscher an Formen, an die das Auge gewöhnt ist. Sie lassen den Info-Strom etwa zu künstlichen Landschaften werden. Für Ärzte stellt Preim den simulierten Blick in den menschlichen Körper wie ein Blick durch ein normales Endoskop dar. Der ist zwar wie beim echten Gerät, das Ärzte als Mini-Kamera in den Körper einführen, verzerrt. Doch die Mediziner sind mit der Perspektive vertraut. Seit zwei Jahren wenden Mediziner die neue Technik an, zehn Jahre wurde sie erforscht. Rund 40 Krankenhäuser, darunter Kliniken aus Asien und Amerika, schicken Patientendaten nach Bremen, wo ein An-Institut der Uni sie in Bilder verwandelt. Die Technik erspart manchem Patienten eine Operation, nicht nur hoffnungslosen Fällen, sondern zum Beispiel auch Kindern. Bei ihnen können die Ärzte am Computer schauen, ob Organe schon groß genug für eine Operation sind oder ob sie lieber warten - bislang stellten sie dies oft erst am OP-Tisch fest.

Frank van Bebber

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Foto: Der Fachbereich Informatik und Informationswissenschaft in Second Life

Herausgeber: Universität Konstanz, Fachbereich Informatik und Informationswissenschaft
Zuletzt geändert am 27.05.2009, 03:45

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